Dokumentarfilminitiative

SIRENS CALL

am 24. April 2026, 21 Uhr, Filmforum NRW

Filmvorführung im Rahmen des Internationalen Frauen Film Fest Dortmund Köln.
Gäste: Miri Ian Gossing, Lina Siekmann, Annie Sprinkle und Beth Stephens

SIRENS CALL
DE/NL 2025, 121 min. Regie: Miri Ian Gossing, Lina Siekmann

»Liquid Space is the Place«

Es müsse darum gehen, »the concept of the other« zu beenden, sagt an einer Stelle ein Familienmitglied der Portland Merfolk — jener Gruppe von hybriden Wesen, der auch Una angehört, die im Zentrum von Miri Ian Gossings und Lina Sieckmanns SIRENS CALL steht. Dies in die Tat umzusetzen, ist keine leichte Aufgabe, im Leben wie im Filmemachen. Gerade das Andere schreit üblicherweise danach, Bild zu werden, weil es im Blick der Norm immer schon von sich aus anzubieten scheint, was wie zu filmen ist, um den Aspekt der Andersartigkeit zu betonen. Sieh hin, sagen solche Bilder, so sieht es aus – das andere Wesen, das andere Leben, die andere Art zu sein.

Als Dokumentarfilm verfährt SIRENS CALL aber schon grundsätzlich anders, ist durch und durch von einer nicht-normativen ästhetischen Form: Man bekommt nicht den Eindruck, dass jemand die Kamera auf Una und ihre Welt richtet, um etwas zu dokumentieren. Vielmehr scheinen die Kamera, der Schnitt, das Sounddesign infiziert von der Welt, die sich ihnen zeigt, so wie Una und ihr Merfolk von den Menschen und ihren bildgebenden Apparaten infiziert werden und sich präsentieren, ihre Geschichten erzählen, für die Kamera, oder besser: mit ihr. Das Prinzip der Merfolk deckt sich mit einer filmischen Methode, die die klare Grenze zwischen Subjekt und Objekt fluide macht und damit selbst als Film flüssig wird. Fließend in den Zeiten und Orten, mäandernd zwischen politischen Realitäten und Mythen, wabernd zwischen digitalem Glitsch und analogem Korn, oszillierend zwischen dokumentarischen, fiktionalen, experimentellen und performativen Formen kann man als Zuschauer*in sich selbst beim Loslassen des kategoriengeleiteten Denkens beobachten. Una ist nicht »the man who fell to earth«, der befremdet auf »unsere« Realität schaut, sondern »the woman who dragged the earth into the sea« – auf dass wir alle nicht vor dem Aquarium stehen und glotzen, sondern in ihm sind und schwimmen, im ewigen Meer der Differenz.

(Mitch-al Boch)

Das INTERNATIONALEN FRAUEN FILM FEST DORTMUND + KÖLN findet vom 22. bis 26. April in Köln statt. Mehr dazu ...

Die Kooperation markiert für die dfi den Auftakt zur Recherche- und Programmarbeit für das nächste dfi-Symposium im Januar 2027, das sich unter dem Arbeitstitel »Queering the Frame: Ästhetische Subversion und politische Sichtbarkeit im queeren Dokumentarfilm« jenen künstlerisch-dokumentarischen Praxen und Bildern widmen wird, die normative Vorstellungen von Realität irritieren, verschieben und eigensinnig neu gestalten.

Eine Veranstaltung des Internationalen Frauen Film Fest Dortmund Köln in Kooperation mit der dfi - Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW. Die dfi-Projekte werden gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

  • Logo der dfi Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW. schwarz auf weiß: dfi dokumentarfilminitiative, darunter filmbüri NW. das i von dfi hat ein grünes Quadrat als Punkt. Das NW bei Filmbüro NW ist weiß in einem schwarzen Kreis.
  • Logo Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Rechts daneben das Landswappen mit grün-weißem Schuld links und weißem springenden Pferd auf rotem Grund links.