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Presseecho

Reclaim Televsion.

 

»Will man ein Fazit ziehen, lässt sich sagen, dass speziell die Präsentationen von "7 Tage..." und "Hier und heute unterwegs" und, mit Abstrichen, die von "Ab 18!" den optimistischen Veranstaltungstitel dieser Dokumentarfilmtagung mit Inhalt füllten. Sie zeigten, dass es in den öffentlich-rechtlichen Sendern unter Redakteuren zwischen Mitte 30 und Anfang 40 eine Gegenbewegung zu den älteren Führungskräften gibt, die ängstlich, müde oder zynisch geworden sind. Jenseits von den in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommenen dokumentarischen Formaten - zum einen Event-Produktionen mit starken Reenactment-Anteilen, zum anderen Ultralight-Dokus wie die Filme der vom WDR verantworteten "Markencheck"-Reihe der ARD - gibt es eine Art neue alte Schule, also Programmmacher, die die klassischen Stärken des Dokumentarfilms mit frischen Elementen zu kombinieren wissen ...«

Funkkorrespondenz Nr. 42, 16.10.2013 (René Martens)

»… Einige Themen kristallisierten sich in den Vorträgen heraus. Erstens das Verschwinden des Autors. Im Formatfernsehen ohnehin kaum noch gegenwärtig, tendieren die auf starke Verflechtung mit der Online-Welt angelegten Produktionen dazu, Autoren ganz verschwinden zu lassen. Teamarbeit und Koproduktion, die Zusammenarbeit verschiedener Gewerke sind angesagt.
Zweitens lässt sich beobachten, dass die avanciertesten Crossmedia-Projekte in der Fiktion stattfinden. Kann es sein, dass das Dokumentarische, weil es weniger planbar ist, für solche Kombinationen weniger taugt? Tobias Büchner [zero one film] zeigte eine interessante Grafik, aus der hervorging, dass Produzieren für Online nicht nur eine ganz andere Arbeit mit ganz anderen Teams ist, sondern ein viel größeres Maß an Planbarkeit verlangt.
Wenn im herkömmlichen Produktionsprozess eines Films kreative Eingriffe auch in fortgeschritteneren Stadien noch möglich sind, müssen sie Online viel früher abgeschlossen sein, dann nämlich, wenn sich die Programmierer an die Arbeit machen. …«

epd medien Nr. 41, 11.10. 2013 (Fritz Wolf)

» Die Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW mit AG DOK luden zur zweitägigen Veranstaltung ‚Reclaim Television – Stoffentwicklung für dokumentarische Formate’ ein. Im Vordergrund standen die Schnittstellen von traditionellen Angeboten mit anderen Verwertungen und natürlich die Finanzierungen. So trugen Redakteure und Produzenten zahlreiche Projekte und Erfahrungen vor. …
Bei der Finanzierung schieden sich naturgemäß die Geister. Arne Birkenstock (Fruitmarket) erklärte: ‚Cross- oder transmedial, völlig egal – alles kostet Zeit und Geld.’ Die Ansprüche von Pitches würden immer höher, das Risiko der Vorbereitung liege beim Produzenten – inzwischen bei bis zu 80 Prozent.«

Filmecho/Filmwoche, 5. Okt. 2013 (Frank Lustig)

» …Dabei waren Mader zufolge die Klicks in der Mediathek oft höher als die mageren Zuschauerzahlen der Direktausstrahlung. Ein Signal für die Zukunft, auch wenn die simple Onlinevermarktung oder ein paar Zusatzinformationen auf der Webseite wohl bald nur noch Nebenschauplätze sein werden im Kampf um mediale Präsenz beim Nachwuchs, der das lineare Fernsehen zunehmend durch aktiv ansteuerbare Webinhalte ergänzt. Beim Bereitstellen dafür geeigneter crossmedialer Angebote sind längst auch die öffentlich-rechtlichen Sender eingestiegen, auch wenn bürokratische Barrieren innerhalb der Anstalten und das deutsche Rundfunkrecht es nicht leicht machen. 
So musste Valentin Thurn für „Taste the Waste“ neben der offiziellen ARD-Webseite selbst mit Partnern wie slow food und Brot für die Welt einen eigenen querfinanzierten interaktiven Onlineauftritt aufbauen, um den Film und das Thema Lebensmittelvernichtung erfolgreich im Netz zu platzieren und viral zu vernetzen. Später kam mit der Tauschplattform foodsharing.de noch ein Spinn-off mit praktischem Nutzwert dazu. …«

Der Tagessspiegel v. 30.09. 2013 (Silvia Hallensleben)
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»… Neben dem "Kampagnenfernsehen", bei dem ein Film nur ein, wenn auch zentraler Teil eines größeren Projekts ist, prägten weitere durchaus optimistische Schlagworte das Symposium: Fabian Döring und Florian Müller - beim NDR verantwortlich für die Reihe "7 Tage …", in der sich TV-Autoren als eine Art Praktikant in das (Arbeits-)Leben anderer Menschen begeben, sangen ein Loblied auf die "Waffen der Empathie"; die 3sat-Filmredakteurin Katya Mader setzt in der Reihe "Ab 18" auf "cineastische" Autorendokumentarfilme, die "nicht leicht konsumierbar" sind; Maik Bialk und Dorothee Pitz schließlich, beim WDR zuständig für "Hier und heute unterwegs", verfochten einen "poetischen Realismus". Bialk begreift sich eher als Leiter einer Autorenwerkstatt und nicht, wie viele Doku-Redakteure, als Produktmanager. Es gehe ihm darum, dem "Entfremdungsprozess zwischen Dokumentarfilmern und dem Apparat Fernsehen" entgegenzuwirken. Aufschlussreich war vor allem, was die WDR-Leute zum Thema Stoffentwicklung äußerten. "Das Konzept entsteht beim Drehen", sagt Pitz, die aufwendige Exposés für kontraproduktiv hält. Anders gesagt: Die besten Stoffe sind jene, die vorher nicht entwickelt wurden - sie entstehen dann, wenn sich Autoren auf Menschen und Situationen einlassen oder gar in sie eintauchen, um den beim Symposium ebenfalls kursierenden englischen Begriff "immersionism" aufzugreifen. …«

die tageszeitung v. 30.09. 2013 (René Martens)
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»…Es geht um Sendeplätze, aber auch um Geld. Wie die dfi-Leiterin Petra Schmitz sagte, zahlten Sender für Dokumentationen beschämend wenig: oft nur fünfhundert bis tausend Euro pro Minute. Der Filmemacher Arne Birkenstock machte seinem Ärger Luft, dass die Stoffentwicklung in Deutschland nicht von dem milliardenschweren öffentlich-rechtlichen System getragen werde, sondern „zu achtzig Prozent über Selbstausbeutung und Verschuldung der Autoren, Produzenten, Kameraleute und Cutter“ funktioniere. Doch war die Konferenz kein Klagereigen. Vielmehr wurden aktuelle Entwicklungen aufgezeigt. …«

Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01. 10. 2013 (Oliver Jungen)

Presseecho

Dokumentarische Verfahren in der Kunst

 

»... Wenn der Film ins Museum kommt, verläßt er auch die diskursive Praxis des Kinos und tritt in die diskursive Praxis der Bildenden Kunst ein. Filmgeschichte und Filmtheorie bilden einen anderen Kontext als Kunstgeschichte und Kunsttheorie, so Stefanie Schulte Strathaus, Film- und Videokuratorin und Mitglied des Auswahlkomitees des Berlinale Forums. Sie fragte, wer die Entscheidungen treffen soll, in welchem Diskurs eine Arbeit wahrgenommen wird. Im 2006 gegründeten Forum Expanded können zwar Filme gezeigt werden, die den Anforderungen des Forums-Programms nicht entsprechen und eher auf einen Ausstellungsraum als ein Kino zielen, aber ein gemeinsamer Diskurs-Raum ist das, als Teil der Berlinale, noch nicht.
Zwei Tage lang war der Diskurs über das Dokumentarische als Material oder als Strategie oder als Methode, über Fragen nach dem Aufführungsort als Unterscheidungsmerkmal, dem Genre oder den Inhalten von dokumentarischen Arbeiten, eher in den Arbeiten versteckt und nur punktuell deutlich angesprochen worden. Dann zeigte der schottische Künstler Luke Fowler, dieses Jahr nominiert für den Turner-Preis, seinen Film "All Divided Selves" (2011) über den Psychiater Ronald D. Laing (1927-1989). Fowler gelingt es durch Rückgriffe auf den Experimentalfilm viel eher als auf den Dokumentarfilm, durch das Zusammenfügen von Archivmaterial, sowohl aus Filmen und Fernsehen wie auch Radioton, mit selbst gedrehten Aufnahmen, nicht nur ein Porträt von Laing zu zeichnen, sondern gleichzeitig die Rolle der Massenmedien in der Wahrnehmung von Laing mitzureflektieren und deutlich zu machen. ...«

Camera Austria International 120/2012

»Oft reiten viel beschäftigte Referenten bei Tagungen nur für eine Nacht ein. Bei der diesjährigen Tagung der Dokumentarfilminitiative (dfi) in Köln zu dokumentarischen Verfahren in der Kunst aber blieben viele der geladenen Wissenschaftler und Künstler die vollen drei Tage, obwohl - oder weil - die Veranstaltung kein in viele Sektionen ausufernder Weltkongress, sondern ein überschaubarer Spezialistentreff war. Von Beginn an dabei auch der Turner-Preis-nominierte Glasgower Filmkünstler Luke Fowler, der sich am Sonntag erst mal entschuldigte, mangels Deutschkenntnissen vieles nicht verstanden zu haben. Er hoffe darum, nicht mit Wiederholungen zu langweilen. Unbegründete Sorgen: Denn der gar nicht mehr so junge (Jahrgang 1978), aber jungenhaft aussehende Mann glänzte nicht nur im einstündigen Gespräch mit allürenfreier Kompetenz in europäischer Geistesgeschichte. Auch sein in Köln vorgestelltes R.-D-Laing-Porträt passte zu den dort gestellten Fragen nach der dokumentarischen Befruchtung künstlerischer Ausdrucksweisen. Aber was heißt schon "Porträt"? "All Divided Selves" ist eine aus Archivmaterialien und selbst gedrehten lyrisch-persönlichen Ein-/Überlagerungen raffiniert kompilierte Bild-Ton-Collage, die die Rehabilitierung der im öffentlichen Diskurs zur Karikatur verkommenen Figur des Psychiatriekritikers mit medienkritischen Reflexionen kontrapunktiert und das Publikum in einen Sog synästhetischer Erfahrung reißt: perfekte Symbiose von politischem Impetus und ästhetischer Vollendung. …«

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‚die tageszeitung’ (taz), 23. Okt. 2012

«… Bewegen sich hier zwei Kunstkulturen aufeinander zu? Werden Museen für Dokumentarfilmer zur neuen Heimat? Was wiederum bedeutet das für den Film? Kann es passieren, dass bald viele Filme ohne innere Notwendigkeit und zum Schaden der Narration installativ präsentiert werden? Diesen virulenten Fragen ging jetzt in Köln eine engagierte Konferenz der Dokumentarfilminitiative (dfi) und der Kunsthochschule für Medien unter dem Titel „Dokumentarische Verfahren in der Kunst“ nach. Als auffälligstes Ergebnis sei festgehalten, dass die Kulturen sich aufeinander zubewegen mögen, von Verschmelzung aber nicht die Rede sein kann. Es war doch meist sehr klar, auf welcher Seite man sich verortet. …«

Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 25. Okt. 2012

»Ein Mann fährt nachts auf einer handgetriebenen Draisine durch das Tunnel - und Schienensystem von  Bahn und S-Bahn in Berlin: Stadt-Erfahrung im wörtlichen Sinn. Acht Minuten dauert diese Film-Fahrt. Sie ist eine poetische Metapher dafür, wie man sich in einer Stadtlandschaft bewegen kann, eine Polemik auch gegen die Beschleunigung., „Zwischenzeit“ nennen die Aktionskünstler Mischa Leinkauf und Matthias Wermke ihren Film. Er wird auch in Galerien als Videoinstallation gezeigt, dann 17 Minuten lang auf drei Bildschirmen und in Loops. „Zwischenzeit“ lässt sich nicht nur auf das Dazwischen im regulären Schienenverkehr beziehen, sondern auch auf die Erzählweisen: Dokumentarisch sind Film und Videoinstallation insofern, als sie eine Kunstaktion dokumentieren und Videokunst sind sie insofern, als die Aktion nur über das Video sich vermittelt. Gesehen hat den Draisinefahrer sonst niemand, schon gar nicht die Bundesbahn. “Zwischenzeit“ war eines der interessantesten Beispiele für Grenzgängerei im Dokumentarischen, die sich die Tagung “Dokumentarische Verfahren in der Kunst“ zum Thema gesetzt hatte. Die Partnerschaft mit der Kunsthochschule für Medien (KHM) lag auf der Hand, weil dort übergreifend ausgebildet wird, jedenfalls theoretisch. In der Praxis laufen auch dort das Betriebssystem Kunst und das Betriebssystem Dokumentarfilm weitgehend berührungsfrei nebeneinander her. Die Tagung interessierte sich vor allem für die „fluide gewordenen Grenzen zwischen Kino/Fernsehen und Ausstellungsraum/Museum". Die Tagung war überraschend gut besucht (allerdings waren nur vergleichsweise wenige Dokumentaristen zu sehen). Es gibt also offenbar ein Bedürfnis, sich über die Eroberung jeweils neuer Kunst-Verfahren zu verständigen. …«

epd medien vom 26. Okt. 2012, NR 43

»... Die auch anwesenden Dokumentarfilmer mussten erst einmal schlucken, dass sie offenbar nicht als Künstler galten - wenn man Ausführungen der Museum-Ludwig-Kuratorin Barbara Engelbach ernst nimmt. Dafür waren einige der gezeigten Videos so, dass die Dokumentaristen entsetzt waren - andere boten interessante, emotionale Momente, von denen auch sie lernen konnten. (...) Videos wie die von Mischa Leinkauf und Matthias Wermke sowie von Phil Collins sowie Luke Fowler zeigten, dass die Videokunst durchaus interessante Aspekte zu bieten hat. ...«

Film & TV Kameramann 12/2012

»…Dass es auch bei traditionell dokumentarischen Arbeiten durchaus gelungene Ansätze gibt, eigene Darstellungsstrategien selbstreflexiv mit zu inszenieren, blieb auch im Eröffnungsvortrag von Katrin Mundt unerwähnt, einem ansonsten breit angelegten und anspielungsreichen Streifzug durch das „Dokumentarische in der Kunst seit den1990er-Jahren“, der sich von Hito Steyerls schönem Begriff der „dokumentarischen Unschärferelation“ bis zu einer kritischen Rehabilitierung des Re-Enactments aus dem Geiste Hannah Arendts vorarbeitete. Deutlich gemacht wurde die Dialektik vom Dokument als Mittel staatlicher Kontrolle und Selbstausdruck („Nur wer dokumentiert ist, ist sichtbar und wird gehört“). Dass auch das Kuratieren ein „dokumentarisches Verfahren“ ist, zeigte Barbara Engelbach, Kuratorin für Fotografie, Film und Video am Kölner Museum Ludwig, am Beispiel dreier an unterschiedlichen Logiken (Diagramm, Archiv, Choreografie) ausgerichteten Ausstellungen zu Filmemachern in ihrem Haus (Harun Farocki, Jonas Mekas, Yvonne Rainer). Oder wäre vielleicht doch der Begriff Fiktionalisierungsverfahren nützlicher, den der Videokünstler (und Düsseldorfer Kunstakademieprofessor) Marcel Odenbach ins Gespräch brachte? …«

Der Standard vom 30. Okt. 2012

» … Es war KHM-Professor Dietrich Leder vorbehalten, die Rolle des Provokateurs zu spielen, und diese Rolle spielt er gar zu gern. Er mokierte sich über die wenigen Betrachter der Kunst-Installationen, die sich zudem immer gegenseitig fotografierten, um beweisen zu können, dass sie da gewesen seien. Den „Loop“ sah er als „faulen Zeitkompromiss“, der „jedes Videokunstwerk schwächt“. Nur wenige Minuten verweilten die Betrachter in einer Video-Installation. Leder formulierte das alles eher kokett und charmant, und so war ihm auch deshalb keiner böse. Christa Blümlinger, die anschließende Referentin, Filmprofessorin aus Frankreich, stellte nun ihre Untersuchung vor, die sich auf über hundert Jahre alte Filmbilder bezog: „The March of Men“ zeigt Afrikaner im Profil, die gehen. Hier war sie wieder, die bemühte Theoriebildung, die gerne Fremdwörter verwendet und in der Praxis nicht hinterfragt werden kann. Da war Marcel Odenbach interessanter und praktischer. Odenbach ist selbst Professor und Macher, und er zeigte ein junges Werk und ein ganz altes. Das alte hieß „Abwarten und Tee trinken“ und war 1978 mit einer der ersten, noch schwarz-weiß arbeitenden tragbaren Videoanlagen gemacht. Diesen „Portapak“ samt Handkamera baute Odenbach zur besseren Anschauung vor sich auf. Das junge Videoprojekt hieß „Disturbed Places“ und wurde in wunderbar scharfer und auflösungsreicher Technik realisiert. Diese „Disturbed Places“ kann man sich auch (sofern noch nicht geschehen) als Fernsehprojekt vorstellen. Obwohl auch hier die langen Einstellungen zu finden sind, diese Suche nach den Bildern, dieses Fasziniertsein von dem, was vor der Kamera ist. ….«

www.agdok.de

Presseecho

Das dokumentarische Porträt

 

»Ist damit aber auch das Versprechen hinfällig, dass ein Porträtfilm in glücklichen Momenten im Gegenüber so etwas wie »das verborgene Muster, nach dem sich ein Leben lebt« (Heinz Bude) aufspürt? Ein populärer Dokumentarfilm wie »Amy« (2015) unternimmt eine Rekonstruktion der unglücklichen Karriere der Sängerin Amy Winehouse und bedient sich dabei neben Interviews mit Zeitzeugen und Archivmaterial ausgiebig bei Privatfilmen, die die Sängerin recht unmittelbar zu zeigen vorgeben. Der Film nutzt diese Nähe, um scheinbar authentisch eine Verschwörungstheorie von unterlassener Hilfeleistung aus Geldgier aufzuwärmen. Am Ende ist der Zuschauer aber der »wahren« Amy Winehouse auch nicht näher gekommen als beispielsweise dem Phantom Thomas Pynchon in dem Essayfilm »Thomas Pynchon – A Journey into the Mind of [p.]« (2001) von Fosco und Donatello Dubini, dessen Material­grundlage lediglich aus einem Namen, zwei Fotos und einer Handvoll Spuren bestand.

Ein Letztes: Was, wenn das Scheitern des Dokumentaristen am Porträt zu einem rhetorischen Kniff würde, der Authentizität signalisiert und Autor wie Objekt gleichermaßen dient? Andrea Roggon hat ihren Film realisiert, Helge Schneider sein Geheimnis gewahrt. Und die Fans von Helge Schneider bekommen im Kino genau den aasigen Helge zu sehen, den sie lieben. Der sich die Freiheit nimmt, zu gehen, wann er will, der nicht mitspielt und sich nicht ­»knacken« lässt.«

filmdienst 25/2015, 08. 12.2015 (Ulrich Kriest)

»Eines der Schlüsselthemen des Porträts ist die Haltung der Filmemacher zu ihren Protagonisten: Wie viel Nähe darf sein, wie viel Distanz muss sein? Diesbezüglich wird gegenwärtig unter Dokumentaristen weitgehend psychologisch gedacht, bis hin zum Film als therapeutischem Instrument. Einen ganz anderen Ansatz vertritt da der Leipziger Dokumentarist Lutz Dammbeck, der aus der bildenden Kunst kommt und dessen dokumentarische Arbeiten immer aufs Ganze zielen, aufs System, nicht aufs Individuelle und aufs Psychologische. So war es schon in „Das Netz“. Sein neuer essayistischer Film „Overgames“ befasst sich mit dem nach psychiatrischen Kriterien geprägten US-Konzept der Reeducation, der Umerziehung der Deutschen nach dem Faschismus – kein Porträt im engen Sinne, sondern ein Gesellschaftsporträt. (...) „Overgames“ ist kein einfacher Film, sondern vielschichtig, sperrig, provozierend. Keiner, bei dem man mit Einfühlung über die Runden kommt – das war auch aus den in Köln vorgeführten Ausschnitten erkennbar. Dazu noch handelt es sich um eine freie künstlerische Arbeit, die sich um die Komplexität des Stoffes kümmert, nicht um Zielgruppen und Sendeformate. Sie ist damit durchaus auf der Höhe der Forderung, die Corinna Belz auf dem Symposium an die Autorinnen und Autoren richtete, also auch an sich selbst: Sie müssten ästhetisch und formal mutiger werden und Erzählweisen entwickeln, die allein aus dem Stoff selbst abgeleitet werden. Ein Appell an den künstlerischen Eigensinn.« mehr

medienkorrespondenz 23/2015, 13. 11. 2015 (Fritz Wolf)

»… Nah beieinander sind sich beide Verfahren dann wieder in dem Gestus, im Akt des Filmemachens selbst, die künstlerischen Verfahren der von ihnen Porträtierten zu adaptieren.
Eine Arbeitsweise, die bei den Künstlerporträts naheliegt, die in Werkstattgesprächen den ersten Tag des Symposiums bestimmten und wohl selbstverständlich immer auch Auseinandersetzung der Filmemacher mit der eigenen Identität und Arbeit sind. So auch bei Andres Veiel, der frisch aus dem Schneideraum für seinen neuen Beuys-Film in Köln eintraf und eloquent über Herangehensweise („Bohrung mit offenem Ausgang“) und Intention („Reise ins Staunen“) seiner 2011 herausgekommenen filmischen Auseinandersetzung mit den Anfängen der RAF in „Wer wenn nicht wir“ sprach, den man wohl ein Generationenporträt nennen könnte. Ein Film, für den er damals wegen massiver Verweigerung der infrage kommenden Zeitzeugen und Protagonisten aus politischen Gründen gezwungenermaßen die fiktionale Form wählte. …«

epd medien Nr.42, vom 16. Okt. 2015 (Silvia Hallensleben)

»“Wesentlich ist der Zuschnitt, der Eingriff, die Konstruktion“ – so das Resümee des Schriftstellers Burkhard Spinnen über sein literarisches Porträt eines schwäbischen Unternehmers, „Der schwarze Grat“. Hatte mit Dokumentarfilm nichts zu tun, war aber eine produktive Anregung auch für Filmemacher, darüber nachzudenken, was das eigentlich ist, ein Porträt. Nämlich immer eine Konstruktion und eine Projektion.
Spinnens Intervention war einer der spannenden Momente des zweitägigen Symposiums über das dokumentarische Porträt, das die Dokumentarfilminitiative (DFI) mit dem Untertitel versah: „Annäherungen, Widersprüche, state of the art“. Ein Hinweis, dass es mit dem Porträt so einfach nicht ist. ...«

M-Menschen machen Medien Online vom 14. Okt. 2015 (Fritz Wolf)

»… Der Regisseur Fosco Dubini gab den zahlreichen jungen Menschen im Publikum mit: „Einen Dokumentarfilm zu produzieren, macht richtig Spaß“ – was angesichts knapper werdender Sendeplätze und Finanzierungsnot wohl eher halbernst gemeint war. Die Generation der „Digital Natives“ trage dazu bei, das Medium zu verändern. Die Selbstdarstellung im Netz verändert auch die lange Tradition des Porträts.«

Kölner Stadtanzeiger vom 10./11. Okt. 2015 (Milan Panek)

»… Entscheidend, so die Kölner Filmemacherin, sei: "Was kann man dem Porträtierten zumuten? Wo geht eine Wand runter?" Schließlich habe man von 2008 bis 2011 an dem Werk gearbeitet. Auch mit Widerständen des Beobachteten, die sie bewusst im Film zeigt. "Beim ersten Bild, einem gegenständlichen Werk, hat er gesagt, das ginge jetzt einfach nicht, wenn wir hier drehen". Aber man hat sich stets zusammengerauft. Bei Richter ließ sie die Kamera im Atelier, drehte nur zu den verabredeten Zeiten und ließ ihn selbst die Kamera bedienen, um die Entstehung der Bilder festzuhalten. "Und es war vereinbart, dass er den Film vor der Premiere sieht." Hatte er Einwände? "Nein, er war froh, dass alles so geworden sei, dass er mir nicht reinreden müsse."«

Porträt Corinna Belz „Die Schwierigen zum Reden bringen“
Kölnische Rundschau vom 7. Okt. 2015 (Hartmut Wilmes)

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Video-Dokumentation

Das dokumentarische Porträt

Die Video-Dokumentation des Symposiums ist online. Außerdem online sind Fotos und ein Presseecho des Symposiums.

Bilder zum Symposium

Dokumentarische Verfahren in der Kunst

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dfi Symposium mit Marcel Odenbach

Marcel Odenbach im Gespräch mit Doris Krystof © Angelika Huber

dfi Symposium Luke Fowler und Thomas Thiel

Luke Fowler im Gespräch mit Thomas Thiel © Angelika Huber

Fiona Tan

Fiona Tan © Angelika Huber

dfi-Symposium mit Mischa Leinkauf und Dietrich Leder

Mischa Leinkauf im Gespräch mit Dietrich Leder © Angelika Huber

dfi- Symposium mit Michael Loeken, Ulrike Franke und Petra L. Schmitz

Michael Loeken und Ulrike Franke im Gespräch mit Petra L. Schmitz © Angelika Huber

dfi_Symposium mit Heike Ander und Stefanie Schulte Strathaus

Heike Ander mit Stefanie Schulte Strathaus vor ihrem Vortrag © Angelika Huber

Symposien

Die Symposien der dfi beschäftigen sich mit der Situation des Dokumentarfilms in Deutschland und geben einen Überblick über dessen Präsenz in verschiedenen Bereichen.


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Filmreihen

Die Filmreihen der dfi zeigen an gesellschaftlich und sozial relevanten Themen die ästhetischen und inhaltlichen Möglichkeiten des Dokumentarfilms.


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Workshops

Die Workshops der dfi behandeln praktische Themen des Dokumentarfilms und seiner Präsentation; sie bieten kompakten Service für die dokumentarische Szene in NRW.


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